Bautzener Gefängnisse

Karl Silbermann

Interniert im Speziallager Bautzen ab Mai 1945, gestorben am 24. Oktober 1945

Karl Silbermann, Jahrgang 1911, wird wenige Tage nach Kriegsende im Mai 1945 auf die sowjetische Ortskommandantur in Freital bestellt und festgenommen. Er gehört zu den ersten Internierten, die Anfang Juni in das neueingerichtete Speziallager Bautzen eingewiesen werden.

Karl Silbermann arbeitet nach Abschluss der Höheren Handelsschule und einer Kaufmannslehre im elterlichen Kolonialwarengeschäft, dass er 1936 als Inhaber übernimmt. 1933 wird er Mitglied der NSDAP und ist einige Jahre Block-, später auch Zellenleiter der NSDAP. Nach seiner Verhaftung durch die sowjetische Besatzungsmacht im Mai 1945 geht Silbermann nur von einer kurzfristigen Internierung aus, denn er fühlt sich subjektiv unbelastet. Das NKWD interniert pauschal nominelle NSDAP-Mitglieder und Funktionäre der untersten Ebene. Sie machen etwas achtzig Prozent aller Internierten im Speziallager aus.

Karl Silbermann stirbt aufgrund einer Diphterie-Erkrankung am 24. Oktober 1945 im Speziallager Bautzen. Sein Leichnam wird namenlos in unmittelbarer Nähe zum „Gelben Elend“ verscharrt. Mit einem illegal aus dem Lager gelangten Schreiben informierte ein Mithäftling die Ehefrau über die Todesumstände und die Todeszeit Silbermanns. Die Familie hatte damit im Gegensatz zu Zehntausenden anderen Angehörigen von Speziallagerinhaftierten bereits wenige Tage nach dem Ableben endgültige Gewissheit über sein Schicksal. Erst im Jahr 2001 erhielt der Sohn eine offizielle Benachrichtigung mit dem genauen Sterbeort durch den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes.
Karl Silbermann
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