Bautzener Gefängnisse

Dieter Rieke

Politischer Häftling von 1948 bis 1956

Dieter Rieke wird wegen seiner Tätigkeit für das Ostbüro der SPD 1948 verhaftet und im April 1949 von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Rieke war 1945 der wiedergegründeten SPD beigetreten, die in der sowjetisch besetzten Zone 1946 zwangsweise mit der KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zusammengeschlossen wurde. Dessen ungeachtet hielt er weiter Kontakt zum Ostbüro der SPD und setzte sich für demokratische Strukturen im Ostteil Deutschlands ein.

Rieke, 1925 in Osnabrück geboren, wird im Juli 1943 zur Wehrmacht einberufen. Er gerät in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Flucht aus dem Kriegsgefangenenlager kehrt er zu seiner Familie in die SBZ zurück. Im Juli 1945 heiratet er. Dieter Rieke wird im Mai 1948 von seinem Arbeitsplatz weggelockt, betäubt und entführt. Neben ihm werden fünf weitere Mitstreiter durch die sowjetische Geheimpolizei NKWD in Gardelegen verhaftet. Durch Unachtsamkeit der SPD-Zentrale in Hannover ist seine Arbeit für das Ostbüro der SPD dem NKWD bekannt geworden. Über Monate wird Rieke verhört und durch Schlafentzug und Schläge körperlich misshandelt. Er weigert sich, dem Vorwurf der »Spionage« zu zustimmen. Nach zehnmonatiger Tortur ist Rieke körperlich erschöpft. Er unterschreibt ein Geständnis, das die Grundlage für seine Verurteilung durch das SMT Halle wegen »Spionage«, »antisowjetischer Propaganda« und »illegaler Gruppenbildung« bildet. Im April 1949 erfolgt seine Einweisung in das Speziallager Bautzen. Während seiner Haft lässt sich seine Frau von ihm scheiden. Erst im Dezember 1956 wird er nach Gardelegen entlassen.

Er flieht im Januar 1957 in die Bundesrepublik Deutschland. Dort arbeitet er als Journalist und Redakteur in Bonn, von 1967 bis zu seinem Ruhestand 1990 ist er Pressesprecher und Amtsleiter in Rüsselsheim 1990. In den neunziger Jahren ist Dieter Rieke aktiv an der Aufarbeitung der Geschichte des Speziallagers Bautzen beteiligt. 1993 erfolgt seine Rehabilitierung durch die russische Militärstaatsanwaltschaft. Dieter Rieke stirbt am 4. September 2009 in Rüsselsheim.
Dieter Rieke
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