Bautzener Gefängnisse

Günter Heinisch

Politischer Häftling von 1949 bis 1956

Günter Heinisch wird 1949 in Meißen unter der konstruierten Anschuldigung der Spionage für den amerikanischen Geheimdienst verhaftet. Zum Verhängnis war ihm der persönliche Kontakt zu einem Mitglied einer Widerstandsgruppe geworden, die unter Beobachtung durch das NKWD stand.

Heinisch, 1928 in Meißen geboren, wird noch vor dem Abschluss seiner kaufmännischen Lehre 1944 zur Luftwaffe eingezogen. Nach Kriegsende kann er seine Ausbildung fortsetzen. Auf der Suche nach Arbeit geht er 1947 für ein gutes Jahr in die westlichen Besatzungszonen, kehrt aber 1948 zurück in die SBZ. Nach seiner Verhaftung wird er vom Sowjetischen Militärtribunal in Dresden wegen „Spionage“ zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und kommt im März 1950 nach Bautzen. Hier hat Günter Heinisch das große Glück, Mitglied des Jugendchores in Bautzen zu werden. Unter der sowjetischen Lagerverwaltung war Singen offiziell verboten. Trotzdem existierten in den Haftsälen verschiedene Chöre. Die deutsche Gefängnisleitung gestattet ab 1950 die Bildung eines Kirchen- und eines Jugendchores. Während der Kirchenchor vor allem bei den Gefängnisgottesdiensten auftritt, singt der Jugendchor bei Kulturveranstaltungen innerhalb des Gefängnisses. Beide Chöre werden 1954 nach der Entlassungswelle von SMT-Verurteilten aufgelöst. Günter Heinisch wird 1956 nach Meißen entlassen.

1957 flieht er in die Bundesrepublik Deutschland. Nach einem Sozialpädagogikstudium wird er Jugendsozialarbeiter in Elmshorn. Wegen gesundheitlicher Haftfolgeschäden muss er bereits 1985 in den Vorruhestand. 1996 erfolgt seine Rehabilitierung durch die russische Militärstaatsanwaltschaft. Am 23. Juni 2001 stirbt Günter Heinisch in Elmshorn.
Günter Heinisch
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