Bautzener Gefängnisse

Hartmut Richter

Politischer Gefangener in Bautzen II von 1975 bis 1980

Hartmut Richter wird im März 1975 am Grenzübergang Berlin-Drewitz verhaftet. Der West-Berliner hat versucht, seine in der DDR lebende Schwester im Kofferraum seines Autos in den Westen zu bringen.

Richter, geboren 1948 in Glindow bei Potsdam, wächst in der DDR auf. Mit 18 Jahren unternimmt er einen Fluchtversuch in den Westen, der aber mit seiner Verhaftung endet. Das Urteil wird zur Bewährung ausgesetzt. Er kann seine Lehre als Betriebs- und Verkehrseisenbahner beenden. Richters zweiter Fluchtversuch gelingt. Im August 1966 durchschwimmt er den Teltowkanal nach West-Berlin.

Im Westen arbeitet Richter als Kellner. Nach Abschluss des deutsch-deutschen Transitabkommens 1972 beginnt er mit der Fluchthilfe für DDR-Bürger. Bis 1975 gelingt es ihm, 33 Menschen über die Transitstrecken in die Bundesrepublik zu bringen. Im März 1975 will er seine noch in der DDR lebende Schwester und deren Verlobten in den Westen holen. Doch an der Grenze werden sie bereits von der Staatssicherheit erwartet. In der Untersuchungshaft weist ihm die Stasi Fluchthilfe in 18 Fällen nach. Richter wird wegen „staatsfeindlichen Menschenhandels“ zur Höchststrafe von 15 Jahren verurteilt. Zunächst wird er in Berlin-Rummelsburg inhaftiert, dann aber wegen seiner Widersetzlichkeit im Dezember 1977 nach Bautzen II in Einzelhaft verlegt. Auch in Bautzen kommt er wegen seines Widerstands gegen das strenge Anstaltsregime mehrmals in Arrest. Im Oktober 1980 kauft ihn die Bundesrepublik Deutschland frei. Sofort nach seiner Entlassung engagiert er sich in der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Bis heute arbeitet er als Zeitzeuge in Berliner Gedenkstätten. 1992 hebt das Bezirksgericht Potsdam das Urteil gegen ihn auf.

Hartmut Richter lebt und arbeitet heute in Berlin.
Hartmut Richter
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