Bautzener Gefängnisse

Erich Loest

Politischer Gefangener in Bautzen II von 1957 bis 1964.

 Der DDR-Bürger Erich Loest setzt sich während der Phase der Entstalinisierung Mitte der fünfziger Jahre für eine Demokratisierung des Sozialismus ein. Er gerät damit in Opposition zur politischen Linie der Staatspartei SED. Im Zuge von innerparteilichen Säuberungen wird er im November 1957 festgenommen.

Loest, 1926 in Mittweida geboren, tritt 1947 der SED bei. Er arbeitet als Journalist bei der „Leipziger Volkszeitung“. Seit 1950 ist er als freier Schriftsteller in Leipzig tätig. Nach der Niederschlagung des Volksaufstands in der DDR am 17. Juni 1953 und des Ungarn-Aufstandes 1956 setzt er sich für Reformen innerhalb des sozialistischen Systems in der DDR ein.

Nach einem Jahr Stasi-Untersuchungshaft in Leipzig wird Erich Loest in einem Gruppenprozess vom Bezirksgericht Halle wegen „konterrevolutionärer, staatsfeindlicher Gruppenbildung“ zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Sein Prozess gehört zu einer Serie von Schauprozessen, die von der SED gegen führende Reformsozialisten wie Walter Janka und Wolfgang Harich inszeniert werden. Zur Verbüßung seiner Strafe weist die Stasi Loest im März 1959 nach Bautzen II ein. Im September 1964 wird er vorzeitig auf Bewährung in die DDR entlassen.

Loest arbeitet wieder als Schriftsteller in Leipzig. Er steht unter Überwachung durch die Staatssicherheit. Aus Protest gegen Zensurmaßnahmen tritt er 1979 aus dem DDR-Schriftstellerverband aus. 1981 gestattet ihm die SED die Übersiedlung in die BRD. Nach der Friedlichen Revolution hebt schon im April 1990 das Oberste Gericht der DDR das Urteil gegen ihn auf. 
Erich Loest
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