Bautzener Gefängnisse

Karl Wilhelm Fricke

Politischer Gefangener in Bautzen II von 1955 bis 1959 Der West-Berliner Journalist Karl Wilhelm Fricke wird im April 1955 von der Staatssicherheit in den Ostteil Berlins entführt. Das Oberste Gericht der DDR verurteilt ihn im Juli 1956 nach Artikel 6 der DDR-Verfassung wegen „Boykott- und Kriegshetze“ zu vier Jahren Haft.

Fricke, geboren 1929 in Hoym (Anhalt), flieht nach seinem Abitur aus der sowjetisch besetzten Zone. Sein Vater wird 1946 von der sowjetischen Besatzungsmacht interniert und stirbt während seiner politischen Haft 1952 in Waldheim. Fricke arbeitet als freier Journalist in West-Berlin und spezialisiert sich auf die Berichterstattung über die politische Verfolgung in der DDR. Die Staatssicherheit wird auf seine Artikel und Kommentare aufmerksam. Sie beschließt, ihn mundtot zu machen. Fricke wird gewaltsam nach Ost-Berlin verschleppt. Er kommt für über ein Jahr in die Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen . Nach seiner Verurteilung wird er in Brandenburg-Görden inhaftiert. Im August 1956 gehört Fricke zur ersten Gruppe von „Staatsfeinden“, die in das Stasi-Sondergefängnis Bautzen II verlegt wird. Seine gesamte Haftzeit verbringt er in Einzelhaft. Im März 1959 wird Fricke nach West-Berlin entlassen.

In der Bundesrepublik arbeitet Fricke wieder als Journalist. 1970 bis 1994 ist er Leiter der Ost-West-Redaktion beim Deutschlandfunk. Er veröffentlicht zahlreiche Bücher zur politischen Justiz in der DDR und zur Staatssicherheit. Das Landgericht Berlin hebt 1991 das Urteil gegen ihn auf.

Karl Wilhelm Fricke lebt und arbeitet heute in Köln.

Karl-Wilhelm Fricke
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