Bautzener Gefängnisse

Die spätere Sonderhaftanstalt der Staatssicherheit befindet sich in einem Gebäude, das 1906 als Untersuchungsgefängnis errichtet worden war. In dieser Funktion wurde es auch während der nationalsozialistischen Diktatur und nach Kriegsende von der sowjetischen Besatzungsmacht genutzt. 1949 wurde der Komplex an die deutschen Behörden übergeben. Im August 1956 wurde Bautzen II vollständig geräumt und für die Einweisung Gefangenen vorbereitet, die in den Augen des SED-Regimes als besonders gefährliche „Staatsfeinde“ galten.

Seit dieser Zeit unterstand Bautzen II als einziges Gefängnis in der DDR inoffiziell dem Ministerium für Staatssicherheit. Zu den Insassen gehörten im Gegensatz zu anderen Haftanstalten nahezu ausnahmslos politische Gefangene: Oppositionelle und Dissidenten aus der DDR wurden hier ebenso festgehalten, wie Mitarbeiter westlicher Geheimdienste, Fluchthelfer oder DDR-Bürger, die das Land verlassen wollten.

In Bautzen II herrschte deshalb ein besonderes Haftregime, das auf weitgehende Isolierung und direkte Kontrolle der Gefangenen durch die Stasi ausgerichtet war. Gegenüber der Öffentlichkeit wurde die Sonderhaftanstalt Bautzen II streng abgeschirmt. Im Dezember 1989 wurden alle politischen Gefangenen im Zuge einer Amnestie entlassen. Die Haftanstalt wurde vorrübergehend bis Ende 1990 weiter genutzt und dann geschlossen. Dank des Engagements des Bautzen-Komitees und anderer Initiativen begann 1994 mit öffentlicher Unterstützung der Aufbau der Gedenkstätte Bautzen in der ehemaligen Sonderhaftanstalt.

Einzelfreigangshöfe, 2012
©Gedenkstätte Bautzen
Treppe im Zellentrakt, 2012
©Gedenkstätte Bautzen